Geschlossene Stickstoffkreisläufe in der pneumatischen Förderung

Stickstoffeinsatz in der pneumatischen Förderung neu denken

Überall dort, wo Schüttgüter in Branchen wie der Chemie-, Kunststoff- oder der wachsenden Batterieindustrie potenziell explosionsfähige Staubatmosphären erzeugen, ist die Förderung mit Inertgas ein wesentlicher Bestandteil eines sicheren Anlagenbetriebs. Trotz der zunehmenden Bedeutung von Stickstofffördersystemen sind viele Anlagen jedoch noch immer nach dem gleichen Prinzip aufgebaut wie klassische Luftfördersysteme: Der Stickstoff übernimmt den Fördervorgang, durchläuft anschließend einen Filter und wird danach direkt in die Atmosphäre abgeblasen.

Über viele Jahre hinweg war dieser Ansatz weitgehend akzeptiert. Heute sorgen jedoch steigende Stickstoffkosten, geopolitische Unsicherheiten in der Versorgung sowie der zunehmende Druck hin zu nachhaltigeren Industrieprozessen für ein Umdenken. In vielen Fördersystemen ist der Stickstoffverbrauch während der Förderung deutlich höher als beim eigentlichen Inertisieren, da für den Förderprozess große Gasmengen benötigt werden. Dadurch gehen erhebliche Mengen wertvollen Stickstoffs bereits nach einem einzigen Förderzyklus verloren.

Anlagen- und Verfahrenstechniker suchen daher zunehmend nach Lösungen, die den Stickstoffverbrauch reduzieren, ohne dabei Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Produktqualität zu beeinträchtigen.

Vom offenen System zur geschlossenen Kreislaufförderung

Siloadmaxx entwickelt geschlossene Stickstofffördersysteme speziell für anspruchsvolle Schüttgutanwendungen. Statt den Stickstoff nach dem Fördervorgang abzulassen, wird das Gas gereinigt, rezirkuliert und innerhalb des Prozesses wiederverwendet.

Der Förderzyklus beginnt mit dem Spülen der Förderleitung und aller angeschlossenen Komponenten, bis der erforderliche Sauerstoffgrenzwert sicher erreicht ist. Sobald die definierte Inertatmosphäre hergestellt wurde, schaltet das System in den geschlossenen Kreislaufbetrieb um. Während der Förderung werden Partikel mithilfe einer speziell für die kontinuierliche Rezirkulation entwickelten Filtertechnologie aus dem Stickstoffstrom abgeschieden. Der gereinigte Stickstoff kann anschließend sicher wieder in den Verdichter zurückgeführt und für den nächsten Förderzyklus erneut verwendet werden.

Dadurch lässt sich der Stickstoffverbrauch erheblich reduzieren, während gleichzeitig eine stabile und kontrollierte Förderatmosphäre erhalten bleibt.

Gleichzeitig ist das System darauf ausgelegt, die Gasqualität präzise an die Anforderungen des jeweiligen Schüttguts anzupassen. Manche Produkte, wie beispielsweise kristalliner Zucker, vereinen gleich mehrere Herausforderungen: Sie können explosionsfähige Staubatmosphären erzeugen und reagieren gleichzeitig empfindlich auf Feuchtigkeit und Wärme. Siloadmaxx-Systeme überwachen und steuern daher Parameter wie Sauerstoffgehalt, Luftfeuchtigkeit und Temperatur während des gesamten Prozesses. Relevante Prozessdaten können zudem direkt an die Anlagensteuerung des Kunden übertragen werden, wodurch ein vollständig nachvollziehbarer und verifizierbarer Förderprozess entsteht.

Fließdiagramm für eine nachgerüstete Stickstoff-Zirkulation

Sicherheit, Flexibilität und Retrofit-Integration

Da Inertgasförderung hauptsächlich in sicherheitskritischen Anwendungen eingesetzt wird, hat die Prozesssicherheit höchste Priorität. Siloadmaxx-Systeme sind speziell für ATEX-Umgebungen ausgelegt und können auf Wunsch durch unabhängige Drittstellen zertifiziert werden. Durch die kontinuierliche Überwachung der Prozessbedingungen und die kontrollierte Einhaltung der Sauerstoffgrenzwerte verbindet das System einen reduzierten Stickstoffverbrauch mit einem hohen Maß an Betriebssicherheit.

Die Technologie kann sowohl in Neuanlagen als auch in bestehende Anlagen integriert werden. In vielen Fällen lassen sich Retrofit-Projekte ohne größere Umbauten an der vorhandenen Förderinfrastruktur umsetzen. Gemeinsam mit dem Kunden werden bestehende Prozessabläufe sowie verfügbare Flächen analysiert, um das Rezirkulationssystem möglichst effizient in die Anlage zu integrieren. Je nach Anwendung können die Systeme zudem als mobile Einheiten ausgeführt werden, um einen flexiblen Einsatz an unterschiedlichen Standorten zu ermöglichen.

Diese Flexibilität ist besonders wichtig, da sich Schüttgüter in ihrem Verhalten stark unterscheiden. Fördercharakteristik, Explosionsrisiken und Umweltanforderungen variieren erheblich zwischen verschiedenen Produkten und Industrien. Aus diesem Grund setzt Siloadmaxx auf individuell ausgelegte Lösungen, die exakt auf die jeweiligen Prozessanforderungen abgestimmt sind — von der Planung und Fertigung bis hin zur Inbetriebnahme und Schulung des Bedienpersonals vor Ort.

Retrofit Kreislaufanlage in einem 10′-Container

Geringerer Stickstoffverbrauch mit schneller wirtschaftlicher Amortisation

Der wirtschaftliche Vorteil geschlossener Kreislaufförderung liegt auf der Hand: Stickstoff, der zuvor ungenutzt in die Atmosphäre abgeblasen wurde, kann innerhalb des Prozesses kontinuierlich wiederverwendet werden. Für viele Anlagen stellt der Stickstoffverbrauch einen erheblichen Betriebskostenfaktor dar, insbesondere bei großvolumigen Förderanwendungen.

In einem beispielhaften Anwendungsfall verbrauchte ein einzelner Industriebetrieb rund 1.500 m³ Stickstoff pro Tag allein für pneumatische Förderprozesse. Abhängig von der Art der Stickstoffversorgung und den lokalen Energiekosten kann dies jährliche Stickstoffkosten von mehreren hunderttausend Euro verursachen. In konventionellen offenen Fördersystemen wird ein Großteil dieses Stickstoffs nach nur einem Förderzyklus einfach an die Atmosphäre abgegeben. Durch die Rezirkulation und Wiederverwendung des Stickstoffs können Betreiber ihren laufenden Gasverbrauch deutlich senken, schnelle Amortisationszeiten erreichen und gleichzeitig die Nachhaltigkeit ihrer Prozesse verbessern.

Anstatt Stickstoff als Verbrauchsmedium zu behandeln, macht die geschlossene Kreislaufförderung ihn zu einem wiederverwendbaren Prozessmedium. In Kombination mit verbesserter Prozesskontrolle, ATEX-orientierter Auslegung und anwendungsspezifischem Engineering entsteht so ein sicherer, effizienterer und nachhaltigerer Ansatz für moderne pneumatische Förderprozesse in der Schüttgutindustrie.